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Ökonom mit Faible für Bio

Ökonom mit Faible für Bio

Geislingen.  Professor Dr. Gerhard Mauch ist Dekan der zwei Fakultäten an der Geislinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU). In der Lehre fand der passionierte Volkswirt seine Berufung.

"Unkompliziert", das sagen über Professor Dr. Gerhard Mauch seine Kollegen, Mitarbeiter an der Hochschule und auch die Studierenden. Der promovierte Ökonom ist als Fachmann anerkannt und gleichermaßen beliebt. Seit neun Jahren ist der Stuttgarter Professor an der Geislinger Fachhochschule, seit zwei Jahren in der Funktion des Dekans. In der Lehre gibt der 48-Jährige seine Begeisterung für die Volkswirtschaft und für die Bildung als solche an die Studierenden weiter, in der Verwaltung der Studiengänge freuen ihn die aktiven Gestaltungsmöglichkeiten, die Mitwirkung an den Entscheidungsprozessen sowie neue Projekte und Vorhaben. Die vielen Sitzungen in den verschiedenen Gremien seien zwar zeitraubend, trotzdem nötig und für den Dekan selbstverständlich. Es gibt kaum einen Termin, bei dem der pflichtbewusste 48-Jährige nicht anwesend ist, obwohl er jeden Tag aus Stuttgart-Möhringen, wo er mit seiner Lebensgefährtin lebt, nach Geislingen reist.

Diese Art von Disziplin und Anstand, einen Vollzeitarbeitsplatz als solchen, trotz der vielen Freiheiten eines Hochschullehrers, wahrzunehmen, sei der Überrest seiner strengen katholischen Erziehung, sagt Mauch ein wenig scherzhaft.

Geboren ist er in Gosheim, einer 3000-Seelen-Gemeinde auf der Schwäbischen Alb, seine Prägung bekam der groß gewachsene schlanke Mann aber auf dem bischöflichen Gymnasialkonvikt in Rottweil, wo er als ältestes von vier Geschwistern das Gymnasium besuchte. Im Internat herrschten Disziplin und Strenge. Die Schule - das altsprachliche Gymnasium - stand im Mittelpunkt des Alltags, Freizeitaktivitäten waren nebensächlich, Fernsehen gab es einmal wöchentlich für eine Stunde im Gemeinschaftsraum. Die Vor- und Nachbereitung der Schulfächer wurde unter Aufsicht gemacht. Trotz der strengen religiösen Erziehung im bischöflichen Internat entschied sich der frisch gebackene Abiturient 1982 nicht für ein Theologiestudium, womit seine Betreuer zuerst gerechnet hatten. Sein Interesse galt vielmehr der Politik und Geschichte, vor allem das Zeitalter der Industrialisierung begeisterte Mauch. Er wählte das Studium der Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt der Volkswirtschaftslehre an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Bis heute schwärmt der 48-Jährige davon: "Die Volkswirtschaftslehre ist eine typische Geisteswissenschaft, die Gedankenexperimente und Theorien pflegt." Das sei spannend und allgemeinbildend, so der Professor, der weiter erklärt: Die Volkswirtschaftslehre beschäftige sich mit grundsätzlichen Problemen, suche Antworten auf Fragestellungen, die von großer Relevanz sind. "Dabei steht die Schulung des Denkens im Vordergrund", betont Mauch, der auch seinen Studierenden die Leidenschaft für dieses Fach vermitteln möchte. Manchmal leider mit mäßigem Erfolg, denn die Manager von morgen fragen eher nach dem konkreten Praxisbezug der Mikro- und Makroökonomie, wollen einen sofortigen Nutzen des Gelernten sehen. Denn viele Studierende möchten mit ihrem Studium nur verwertbares praktisches Wissen für Unternehmen anhäufen. Zwar sei eine Fachhochschule eher anwendungsorientiert, dennoch beklagt der Hochschullehrer, dass die Bildung als eigener Wert immer weniger anerkannt sondern vielmehr zum Erwerbszweck reduziert werde. "Für manche Studierende ist der Bachelor wie der Führerschein", bedauert Mauch diese Entwicklung, an der auch die äußeren Faktoren gewisse Schuld tragen. So stellt das Akkreditierungsverfahren - eine Art TÜV für jeden Studiengang - die praktische Verwertbarkeit des Studiums in den Mittelpunkt; wichtig ist dabei, wie schnell ein Absolvent nach dem Studium eine adäquate Arbeitsstelle findet.

Die Studenten an der Fachhochschule studieren "zielorientiert" auf einen Beruf, eine Stelle hin und stöhnen zuweilen bei Fächern wie VWL und Mathematik, die abstraktes Denken fordern und fördern aber keinen unmittelbaren Praxisbezug haben. "Es sind aber die ökonomischen Schlüsselqualifikationen", betont Mauch mit Nachdruck "ohne diese geht es gar nicht". Die Absolventen der betriebswirtschaftlichen Studiengänge wenden diese später an, ohne sich bewusst zu sein, diese in "Mikroökonomie gelernt zu haben. Der Professor weiß, um die Bedeutung dieses Aspekts in Zeiten, in denen praktisches anwendungsorientiertes Wissen schnell veraltet und appelliert, die Denkweise zu ändern, schließlich sei Hochschulstudium keine Lehre. "Es sollte befähigen, Fragen in der Zukunft beantworten und künftige Probleme lösen zu können."

Mauch selbst blieb nach seinem Abschluss zuerst an der Uni als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er arbeitete unter anderem in einem Forschungsprojekt über die Emigration deutschsprachiger Wirtschaftswissenschaftler nach 1933 und promovierte gleichzeitig als Stipendiat der Robert-Bosch-Stiftung über ein wirtschaftshistorisches Thema.

Als Dr. oec. begann der Stuttgarter als Hochschuldozent zu arbeiten und entdeckte seine große Affinität zur Lehre. Nur konsequent war es, dass er sich in Geislingen, wo er schon lehrte, 2001 um die Professur für Volkswirtschaftslehre bewarb. Der humorvolle 48-Jährige ist ein Vollblut-Lehrender. Trotz des vollen Kalenders und einer Freistellung als Dekan unterrichtet er weiterhin seine Studierenden in Geislingen in Mikroökonomie und Wirtschaftspolitik, hat sogar einen zusätzlichen Lehrauftrag an der Dualen Hochschule in Stuttgart. "Schließlich bin ich deswegen Professor geworden", sagt er schmunzelnd. "Nur so kann ich meine Begeisterung für Volkswirtschaftslehre weitergeben". Begeistert zeigt sich der Mann mit den neugierig funkelnden Augen von den "Geislinger Standards", wie er sie nennt: Zum einen sind es die gelungenen Spezialstudiengänge mit einem großen Zukunftspotenzial, zum anderen die familiäre Atmosphäre der kleinen Hochschule, an der knapp 1500 Studierende von etwa 45 Professoren betreut werden. "Hier gibt es keine Studentenproteste, wir reden einfach miteinander", sagt der Professor, der in der Tat ein gefragter und beliebter Gesprächspartner ist und für jeden ein offenes Ohr hat. In seiner knapp bemessenen Freizeit liest der engagierte Hochschullehrer Fachbücher und Biographien von Ökonomen. Das tut Mauch jeden Abend, wenn er von Geislingen nach Hause kommt. Denn der Fernseher wird im Hause Mauch nur sehr selten eingeschaltet. Es ist wohl ein Überbleibsel aus seiner strengen Internatszeit. Vielleicht genauso wie die Vorliebe für sakrale Architektur. Seine Reisen führen Mauch in den Ferien meistens nach Südfrankreich, wo der Stuttgarter die Architektur und die Natur genießt. Denn diese ist seine andere Leidenschaft. Aufgewachsen auf dem Land wollte der Schwabe eigentlich Bauer werden. "Sogar noch nach dem Studium habe ich damit geliebäugelt", fügt er schmunzelnd hinzu und erzählt, dass er früher auch geimkert habe und seine Lebensmittel seit über 20 Jahren beim Biobauern kaufe.


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